Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Nicht verfremdet und doch fremd

Am 25. Dezember 2010 sah ich Ödipus auf Kolonos im Berliner Ensemble. Einige Eindrücke.

Nicht umsonst nannte Aristoteles die Dramen des Sophokles, zu denen die Ödipus-Trilogie (König Ödipus, Ödipus auf Kolonos und Antigone) gehören, Musterbeispiele der Tragödie. Dabei wird es in jedem Stück schlimmer, noch tragischer. Heiratete Ödipus im ersten Teil der Ödiwars- Saga, wie man sie auch nennen kann (es kommt in der Tat zu Kriegen) nur seine Mutter und erschlug seinen Vater (laut Freud ein ganz normaler Vorgang), so begräbt Antigone im Dritten Teil ihren Bruder, wird dafür verdammt und erhängt sich. Was aber geschieht dazwischen?

Ödipus stirbt. So lässt sich der zweite Teil der Mythentrilogie zusammenfassen. Bevor er stirbt, rechnet er – von einer beispiellosen Sturköpfigkeit beseelt – mit seinen Söhnen, die ihn einst aus seinem eigenen Reich vertrieben, ab. Interessanter Weise jedoch steht der Dickkopf auf Kolonos am Ende als Guter da. Zeuss nimmt ihn zu sich, Ödipus’ Töchter stimmen ein sehr bemühtes Gewein an und seine Taten sind vergeben.

Gespielt wurde, wie im BE üblich, auf Weltklasseniveau. Jede auch noch so kleine Rolle im Chor war mit Liebe zum Detail angelegt, jeder Fingerzeig  absolut überzeugend. Mit einer packenden Schlichtheit, die nur durch töchterliche Tränenszenen gestört wird (hier hätte es auch Verfremdung statt Losgeplärre getan), inszeniert Peter Stein seine eigene Übersetzung des 2400 Jahre alten Textes.

Zweieinhalb Stunden ohne Pause wird der Zuschauer gefordert, dem schönen Text, der kargen Handlung, zu folgen. Doch was nach Zumutung klingt, entpuppt sich erst nach zwei Stunden als experimentell. Pädagogik und Psychologie wissen, dass ein Mensch sich höchstens eine Stunde lang voll konzentrieren kann. Danach sollte es eine Pause geben. Da hilft nur inneres Exil im Theatersaal. Emigration in die Entspannung. Und zwei Minuten später wieder Migration. So wird der Zuschauer gefordert, lernt Aushalten im Exil wie Ödipus. Dass die Aufführung trotz gleichbleibendem Bühnenbild und vielen Dialogen relativ kurzweilig bleibt, liegt an der Wucht des Textes und der professionellen Spielfreude des Ensembles. Vor allem Klaus Maria Brandauer liefert eine beachtliche Leistung: Über zwei Stunden dauert sein erster und einziger Auftritt – fast das gesamte Stück lang.

Doch die Inszenierung bleibt trotzdem fremd, was nicht zuletzt am Alter des Textes liegen mag. Was 400 v.Chr. Alltagssprache zumindest Gelehrter war, wirkt heute nicht mehr unmittelbar. Angenehmer als gezwungenes Modernisieren eines Theaterstückes ist solch eine Inszenierung jedoch allemal.

Katharina macht Wagner verdaubar

Nach 10 Jahren warten trudeln langersehnte Karten ein. Es sind die Meistersinger von Nürnberg in der Wiederaufnahmepremiere der Bayreuther Festspiele am 2. August 2010.

Alles ist perfekt organisiert. Allerdings sollte irgendwer den Bayreuthern die Mähr der am Festspielhaus reichlich vorhandenen Parkplätze austreiben. So umfangreich sind die Parkgelegneheiten auch wieder nicht.

Das Festspielhaus ist rustikal, ja hölzern vom Design her (was am vielen Holz in den Gängen und Treppen liegen mag). In Bayern wusste man bis vor einigen Jahren nicht, dass es auch Gold und roten Samt gibt, was aber zum Vorteil wird. Zum U-Bahnhof- Feeling im Foyer passen die im Vergleich zur U-Bahn äußerst unbequemen Sitze im Parkett allerdings nicht.

Der gesangliche und musikalische Vortrag sind perfekt, was sich aber in einem solchen Haus von selbst versteht und daher nicht weiter besprochen werden muss. Die Darstellung war jedenfalls so schön, dass ich wünschte, Gott wäre noch am Leben um DAS zu sehen.

Da Wagner ziemlich viele und davon einige schöne Melodien im Kopf herumspukten, schrieb er recht lange Opern. So schön es ist, von Arie zu Duett zu Chor zu schweben in einem Meer aus wuchtiger Musik; in der ersten Stunde des dritten Aktes gibt es dann doch einige Längen. Solch ein Riesenbrocken von viereinhalb Stunden Musik muss aufgelockert werden, um verdauber zu sein. Katharina Wagner inszeniert die Oper so kurzweilig es geht, indem sie ständig das Werk selbst auf die Schippe nimmt, ironische Elemente einbaut und die Strenge Wagners in Frage stellt.

Da werden drei Personen, unter anderem ein Dirigent, auf der Bühne in einer Kiste verbrannt. Das echte Feuer ist die einzige Lichtquelle der folgenden Szene. Fünf Personen stehen, an den KKK erinnernd, mit erhobenen Händen um das Feuer. Ihre Schatten tanzen auf der Leinwand dahinter. Und noch weiter dahinter stimmt ein riesiger Chor einen schmalzigen Chor an.

Wenig später müssen natürlich noch zwei Nackte auftreten. Keine Rebelleninszenierung ohne Schniedel! Die Peinlichkeit solcher Momente überwindet nur, wer sich gleichzeitig freut, dass einige alte Schachteln im Publikum sich gerhörig aufregen.

Und dennoch: Die lustige und äußerst ästhetische Inszenierung ist auflockernd wie schaumige Sahne im Kaffee.

Liebe (Variation I: Streit)

Er: Liebe ist Krieg.

Sie: Liebe ist Angst.

Es: [Kommt in diesem Text nicht vor, sagt also auch nichts.]

Er: Ich bin kein netter Mensch.

Sie: Du bist vollkommene Scheiße. Selten in meinem widerlichen Leben sah ich solche Perfektion wie in negativer Art bei dir.

Er: Selten wurde ich über einen längeren Zeitraum verarscht als von dir. Nur einmal. Das ist sehr schade; für dich, meine ich. Du hast nicht den ersten Preis verdient. Der wurde schon vergeben. Spiel mit mir ein Spiel, doch spiel nicht zu offensichtlich oder zu viel! Nun lass ich alle Hoffnung fahrn.

Sie: So lass du die Hoffnung fahrn, das soll mir recht sein, denn mein Taxi fährt auch bald.

Dann war es wieder still im Raum. Die Worte hatten beide angestrengt wie (in glücklicheren Zeiten) zuvor nur legitimer Zeitvertreib. Nun herrschte Stille, herrschte das absolute Nichts, was aus ihren Herzen strömte.

Er saß einfach da und ertrug ihre Verachtung. Mit jedem tiefen Atemzug begann er, ihren Hass mehr zu fühlen und gleichzeitig zu genießen, denn er bedeutete, dass sie ihm Beachtung schenkte. Und wenn sie nur dazu fähig war, wollte er sich damit zufrieden geben. Es war besser als nichts, besser als subjektive Belanglosigkeit.

Da es nichts mehr zu sagen oder tun gab, verließ sie engelsgleich den Raum.

Er saß weiter da und genoss Stille wie Klarheit, die ihn in dieser Minute umgaben.

Ruhleben im prallen Licht

Bereits seit vielen Jahren bildet ein buntes Farbspektakel den Höhepunkt und Abschluss des Stadtteilfestes in Ruhleben. Auch in diesem Jahr begeisterte eine Lichtshow die Ruhlebener Rondellbesucher bei Bratwurst und Brause.

Das Set der 16-Minütigen Show wartete mit sphärischen Klassikern auf:

Depeche Mode – In Your Room

Pink Floyd – On the Turning Away

Moby – My Weakness

Hier nun einige Eindrücke:

straßenfest 2010 (5)straßenfest 2010 (14)straßenfest 2010 (25)

Fotos der Lichtshow zum 29. Geburtstag

Ich danke allen Gästen ganz herzlich für das viele Lob der Lichtshow!

Set:

Depeche Mode: In Your Room

Pink Floyd: On the Turning Away

Rammstein: Sonne

Alle Fotos von Sammy 2110Alle Fotos von Sammy 2125Alle Fotos von Sammy 2145

Neuentdeckung des Jahres: Monotekktoni

Vorletztes Jahr waren es Covenant, letztes Jahr VNV Nation, dieses Jahr ist meine Entdeckung des Jahres definitiv Monotekktoni. Die 37- Jährige Tonia Reeh aus Berlin macht seit fast zehn Jahren feinste elektronische Musik.

Hierbei changiert sie zwischen Ambient, was ihrer Musik das Melodische, Pop, was ihrer Musik das Eingängige und EBM, was ihrer Musik die Seele verleiht.

Beats wie Outfits waren beim heutigen Auftritt auf dem Sommerfest der Uni Potsdam gleichermaßen scharf, wo Monotekktoni als finaler – und zu Recht – längster Akt vor begeisterter ebenso wie intoxinierter Masse auftrat.

Eine Youtube-Empfehlung schlechthin, und man darf diese Künstlerin auch unterstützen, kosten die CDs bei ihr direkt gekauft doch gerade mal 11 Euro, was sich jeder leisten kann.

Keep on grooving!

Licht aus im Nil, Spot an mit Stil

Der Nilclub hat sich eine Konzertlichtanlage geleistet, samt Lichtdesigner natürlich ;)

Die hervorragenden Bands Yes Sør und Fat Chaplin spielten Sets des gepflegten Garagenrocks, bzw. Metals.

Unterstützt wurden die jungen Musiker von 4 LED Par 56 DMX. Live “belichtet” von mir, kam die Musik sehr gut beim rund 50- köpfigen Publikum an. Und fürs Licht gabs ein extra-Lob von Fat Chaplin – das freut!

Hier ein Eindruck des Konzerts:

neues licht (1)

Testbericht: American DJ Color Burst LED

Im Internet ab 60 Euro zu haben, stellt der Color Burst einen klassischen Wash-Effekt dar. Das heißt, er eignet sich gut zur Grundbeleuchtung eines Raumes. Doch was kann er noch?

Erfreut Nebel wie Wand - LEDs in neuem Gewand

Erfreut Nebel wie Wand - LEDs in neuem Gewand

Der Color Burst ist klein, hat ein stabiles verschraubtes, nicht genietetes Metallgehäuse – das ist ein Qualitätsmerkmal. 4 Blöcke mit 7 mal 5 LEDs sind direkt nebeneinander unter einer Plexiglasscheibe angeordnet. Rot, grün und blau haben satte, helle Farben. Die orangenen LEDs sind leider etwas dunkler. Man wollte offensichtlich auf ein grelles Gelb verzichten.

An der Unterseite des Gehäuses befinden sich drei frimelig-kleine Drehregler. Der erste ist zum Auswählen einer Blinkabfolge, der zweite bestimmt die Geschwindigkeit und der dritte wahlweise die Empfindlichkeit des eingebauten Mikrophons.

Im Soundmodus blinken alle LEDs gleichzeitig nicht sehr schnell, bis das Mikrophon aktiviert wird – was zu Lauflichtabfolgen führt. Man wollte hier umgehen, dass das Gerät völlig dunkel ist, wenn kein Sound ertönt. Das gleichzeitige Blinken aller Farben nervt jedoch etwas. Besser wäre es, das Lauflicht in stillen Momenten einfach langsam beizubehalten.

Im von mir daher präferierten manuellen Modus kann man zwischen offiziell 17, jedoch nur gefühlten 7 Lauflichtern wechseln, wobei die Farben teils auch in Gruppen an und aus gehen. Bei geringer Geschwindigkeit kann das Gerät gut im Hintergrund einer Party betrieben werden. Schnelleres Blinken lässt Tanzstimmung aufkommen. Leider sind die Farben parallel und nicht als Fächer angeordnet, sodass die beleuchtete Fläche relativ klein ist und keine Wirkung im gesamten Raum erzielt wird. Großes Manko ist, dass das Licht keine einzelne Farbe dauerhaft reproduzieren kann.

Trotzdem ist der Effekt schön, stabil und hell. Er erhitzt sich bei einem Stromverbrauch von gerade mal 20 Watt kaum und kann jede Party durch seine Farbspiele versüßen.

Wegen mattem Orange und nicht zu Ende gedachter Steuerung bekommt er trotzdem nur eine 2-

Erleuchtet: Garagenrock und Fußball

Gestern spielten Smanti Pen. und Yes Sør! im Nilclub auf einer Soliparty für die Potsdamer Fußballmannschaft UFK. Der Meister hat die Lichtshow für die Bands gestaltet.

Im Dunkeln stehen gelassen! So düster geht es Bands ohne meine Photonenschleudern

ufk soliparty 2010 (17)

Mit Licht sieht die Welt schon schöner aus

ufk soliparty 2010 (23)

Die Studenten pumpen soliden Garagenrock in die Ohren der Zuschauer

ufk soliparty 2010 (6)

Orangenbitter an der Komischen Oper

„Die Liebe zu drei Orangen“ von Sergej S. Prokofjew ist eine musikalisch dick aufgetragene Oper. Die unmelodiöse Musik steigert sich gelegentlich zu quietschenden Lärmfanfaren, zwei Minuten schöner Melodien am Ende vermögen die schmerzenden Ohren nicht mehr lustig zu stimmen. – Und das, obwohl die trockene Inszenierung der Komischen Oper Berlin lustig sein will. Kurze Lichtblicke wie ein riesiger Kasperl, eine auftretende Ratte und ein Krokodil, klassisch von einigen Menschen im Leib bewegt, gibt es durchaus. Doch alles in allem ist die Choreographie hölzern, die gestaksten Bewegungen wirken auswendig gelernt, Fluss kommt kaum auf.

Die Sänger sind gut, das Orchester spielt gekonnt, wie es Regel ist an den Berliner Opernhäusern – bis auf eine krächzende Aurelia Hajek, welche die böse Fata Morgana spielt.

Das Bühnenbild lässt wiederum zu wünschen übrig. Zwei theaterhafte Rahmen sind aufgestellt, im Hintergrund eine schräge weiße Fläche; Raum für Lichtspiele und Projektionen, der allerdings vom einfallslosen Lichtdesigner verschenkt wird.

Wie schön wäre es gewesen, wenn die drei Orangen auf der Bühne so groß gewesen wären, dass die Prinzessinen tatsächlich ihnen entstiegen wären. Meinetwegen hätte in den Orangen sogar eine sichtbare Tür sein dürfen, das wäre als Ironie durchgegangen. Aber die etwa einen Meter  großen Papporangen zu zerreißen in dem Moment, wo von der einen Seite der Bühne die Prinzessinnen hereinstolzieren, ist einfach dröge. Auch ein phantastisches Element mit Wind und Blasebalg wird verschenkt. Eine Nebelmaschine im Blasebalg, der den Prinzen ins Schloss bläst, Schnee oder Konfetti vor einer Windmaschine oder wenigstens Arbeit mit der Versenkung, all das wäre schön gewesen. Tatsächlich wird zwar ein großer Blasebalg auf der Bühne bedient, doch gegen Ende der Szene betritt der Prinz ganz langweilig von der Seite die Bühne.

Alles in allem also eine nervige Oper, einfallslos inszeniert und man ist froh, wenn man wieder raus ist – auch was Gutes.