Übertriebene Emotionen sind widerlich
“Mobil” von Sergi Belbel im Hans Otto Theater Potsdam
Man blickt zur Tür, man tröstet sich: Das Stück ist sicher nicht das Beste, aber ein paar Lacher kommen immerhin vor. Manchmal haben die Schauspieler Momente, in denen sie ganz gut spielen. Manchmal, aber nur manchmal…
Noch ein Blick zur Tür: Notausgang. Wie lange dauert dieses Stück denn noch? Es ist wie ein schlechtes Folterinstrument, das auf ewige Wiederholung eingestellt ist.
Warum nur müssen die Schauspieler dieses Dorftheaters so schlecht sein? Nach eineinhalb Stunden haben sie sich warm gespielt, die letzte viertel Stunde scheint ihnen Spaß zu machen. Und dann ist das Stück endlich vorbei. Hölzern staksten sie auf der Bühne herum, die Abgänge waren schlecht getimet. Es sah aus, als wäre das Stück etwa 5 Wochen zu kurz geprobt worden. Hinten an der Bühne fällt Licht ein, welches das Bühnenbild zerstört und jeden Black-Out Effekt noch dazu.
Doch es liegt nicht allein an den Schauspielern, dass das Stück mich quält. Das Stück selber kränkelt am Versuch, etwas neues zu erschaffen. In einer Zeit, wo alle Geschichten schon geschrieben wurden, alles abgenutzt ist. Jede Phrase, jede Szene scheine ich schonmal irgendwo gesehen zu haben. Alles ist immer das Gleiche, entsetzlich vorhersehbar. Die Gags sind manchmal erheiternd, doch die hätte ich auch in einem ???- Hörspiel haben können. Und da hätte ich weg gekonnt: Wieder der Blick zur Tür, die zum Foyer des Theaters führt, raus aus diesem Zuschauerraum.
Die gekünstelt gespielten Emotionen springen einen an. Der Zuschauer muss keinerlei Intelligenz aufwenden, um etwas zu verstehen. Erstens gibt es nichts zu verstehen, weil das Stück ziemlich dumm ist. Zweitens wird alles mindestens zwei- bis dreimal wiederholt, bis auch der letzte es garantiert verstanden hat. Warum nur ist das einzige Schimpfwort in diesem Theaterstück “scheiße”? Kann man sich nicht mal was anderes ausdenken? Warum müssen drei Szenen sein, in der die eine Schauspielerin rumheult? Ich gehe nicht ins Theater, um mich aufgrund genierlicher Szenen fortzuwünschen. Und warum muss immer wieder von verletzen, verstümmelten Menschen die Rede sein? Wer seine Angstlust befriedigen will, liest heute doch schon ‘Spiegel’ oder ‘BILD’! Platte Schreckensszenarien, durchgekaut, immer wieder Weineszenen. Wahrscheinlich führte der Autor Strichliste, wie viele der gängigen peinlichen Szenen in dem Stück vorkommen müssen. Es ist wie in einem schlechten Hollywoodfilm. Nur noch enttäuschender, da man doch weiß, wie viel Theater eigentlich leisten kann. Offenheit, Freiheit zur Interpretation, all das fehlt dem Stück und seiner Umsetzung der Potsdamer Kleinkünstler.
Am Ende dann noch die obligatorische Wende, eine unmotivierte Pointe; der Blick schweift zur Tür, die sich nun endlich öffnet: Nichts wie raus hier!
Hier zeige ich meine aktuellsten Arbeiten im Lichtbereich, rezensiere kulturelle Veranstaltungen und teste Lichteffekte auf ihre Wirkung.