Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Was schön ist, muss zerstört werden!

“Der Freischütz” von Carl Maria von Weber in der Deutschen Oper Berlinweber

Es war keine jener althergebrachten Inszenierungen des Freischützen mit Wald, Bäumen, Schluchten, etc. …wie es eben zu DER romantischen Oper schlechthin passend wäre. Es war auch keine übermoderne, hässliche Inszenierung, bei der die Provokation zum Selbstzweck verkommt. Die Regie der Deuten Oper hat die Mitte perfekt getroffen. Einerseits dominieren prunkvolle Kronleuchter das Bühnenbild, andererseits hängt ein Boxsack im hinteren Drittel der Bühne. Ein altes Bild hängt neben modernen Postern. Der Jägerchor singt in grellgrünem Licht unter schwebenden Rehkadarvern, die zum Ausbluten über Schüsseln hängen.
Das Schreckliche durchzieht die Inszenierung. Die Teufelgestalt Samiel sieht wie ein Nazi aus. Irgendwie passend. Immer, wenn die Musik unheimlich wird, betreten drei Affen die Bühne. Sie könnten an das Animalische im Menschen erinnern, an seine Fehlbarkeit, die in der Figur des Freischütz angelegt ist. Ein Aquarium mit echten Fischen im Hintergrund vervollständigt das Bild: Die Inszenierung ist von Tieren – lebenden wie toten – durchzogen. Und über allem hängen die Kronleuchter, als könnten die Menschen aus der selbst erschaffenen Zivilisation nicht entfliehen. Kleine rote Lämpchen leuchten an den Kronleuchtern, wie herabfallende Funken, als der Teufel zum ersten Mal in Aktion tritt. – Wie ein Vorgeschmack der Hölle.
Auch Liebesszenen wurden brutal uminterpretiert. Ich kann mir das Gesülze anderer Inszenierungen vorstellen, wenn der Freischütz Max sich von seiner Braut verabschiedet, um den Teufel zu treffen. Doch in der Deutschen Oper ist Max kühl, hin- und hergerissen und brutal. Er ist, wie es im Text heißt, schon längst vom Teufel besessen und es scheint kein Entrinnen zu geben.
Sehr ironisch und das Jagdglück, von dem gesungen wird, zeitgemäß in Frage stellend ist der Fakt, dass über den Jägern Kadarver hängen. Wie ein Mahnmal der Tierwelt.
Das Bühnenbild ist praktisch immer das Gleiche. Das stört jedoch nicht, da sich Kleinigkeiten ändern und das Licht immer passend zur Stimmung ist. Kränklich gelb ist es, als der Teufelspakt geschlossen wird, grün bei der Jagd und rosa beim Happy End. Die ganze Bühne ist erfüllt von diesen Farben, da konsequent eine Dunstmaschine eingesetzt wird. Der Dunst nimmt dem Raum seine Leere und sorgt zudem für eine märchenhafte Stimmung während der ganzen Oper.
Es ist die erste Oper meines Lebens, bei der durch Dunst konsequent Scheinwerferstrahlen sichtbar gemacht werden. Außerdem hat die Oper sich einen Rahmen mit eingebauten LEDs angeschafft, der sehr schön mit den Farben und Stimmungen des Bühnenbildes korrespondiert. Die etwas hässlichen Gitteranordnungen im Bühnenboden haben einen technischen Zweck: Sie bergen die Dunstmaschine, sowie Nebelmaschine, Windmaschine und Scheinwerfer für die grandios umgesetzte Szene, in welcher der Diener des Teufels Freikugeln gießt.
Das Komische und Leichte der Oper geht bei dieser Inszenierung freilich etwas verloren. Das macht jedoch nicht viel, da es schon genug romantische, unkritische Inszenierungen gab. Gestern sah ich eine Anti- Interpretation des Freischützen. Alles passte zur Musik und doch handelt es sich um ein Akt des “so kann man den Freischütz AUCH verstehens”. Erstaunlich, wie viele böse Ahnungen durch die Oper hinweg orchestriert wurden. Ob von Weber diese Inszenierung nicht sogar sehr passend fände?
Kleiner Markel: Einmal werden die Kronleuchter so weit hinuntergelassen, dass die Traversen des Schnürbodens zu sehen sind. Nicht sehr schick gemacht!