Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Gnadenlos authentisch – Jan Hegenberg

Er vertont Inhaltsstofflisten von Duschbädern und französische DVD Player – Bedienungshinweise. Er verrappt per Chat zugesandte Reimworte in seiner eigenen Radiosendung, singt auf Englisch und Deutsch und, was weniger zu ihm passt, liebäugelt in Songs wie “Ratamatata” seit Neuestem mit Hardrock.
Jan Hegenbergs Songs behandeln außer Politik fast alle Themen männlicher, allzu menschlicher Existenz. Frust mit Frauen und PC-Spielen, alte Omas im Bus und anderer Unflat werden besprochen. Seine Professionelle Unprofessionalität macht ihn ungemein authentisch, vor allem auch, da er weder Berater, noch Verlag hat, die ihn in seiner Kreativität ausbremsen oder seine so wertvollen Kanten textlicher Direktheit abschleifen würden. Ob man aus dem Ruhrpottler einen langweiligen Kommerzsänger machen könnte, wage ich allerdings auch zu bezweifeln. – Zumindest wäre es schade um ihn.

Der Gamer-Sänger ist unbändig und tappt dabei durch seine selbstironische Art trotzdem nicht in die Falle der Peinlichkeit. Als Entertainer auf seinen Konzerten versprüht er ein buntes Feuerwerk aus humorigen Ansagen und Talk mit dem Publikum, wobei er die Songabfolge auf Zuruf variiert.
Eine Entwicklung gibt es auch bereits zu verzeichnen. Während in den Anfangsjahren Akustikklampfe und Gamertexte der Branche überwogen, aus der Jan ursprünglich stammt, gibt es nun auch Songs über andere Themen als Spiele und englische Texte. Eine Band kooperiert mit dem ehemaligen Biostudenten mittlerweile auch und bringt weitere Einfüsse mit.
Hegenberg hat eine Sänger- und Songwriterkarriere durchgemacht, die an Genesis, Pink Floyd und die Pet Shop Boys erinnert. Keine dummen Prolls aus Deutschland sucht den Superstar, die einige Zeit lang von Managern missbraucht werden, sondern Leute, die für ihre Musikkarriere die Universität abbrechen, braucht die Kunst! (Der Keyboarder der Pet Shop Boys, ein Architekt, hat gerade mal eine einzige Treppe in England entworfen, bevor die Musikkarriere anfing, Pink Floyd und auch New Order haben sich über die Uni kennen gelernt.)
Sollte es Bedarf an einem Lichttechniker geben, fahre ich gern mal auf einer Tour durch Deutschland mit!