Liebe (Variation I: Streit)
Er: Liebe ist Krieg.
Sie: Liebe ist Angst.
Es: [Kommt in diesem Text nicht vor, sagt also auch nichts.]
Er: Ich bin kein netter Mensch.
Sie: Du bist vollkommene Scheiße. Selten in meinem widerlichen Leben sah ich solche Perfektion wie in negativer Art bei dir.
Er: Selten wurde ich über einen längeren Zeitraum verarscht als von dir. Nur einmal. Das ist sehr schade; für dich, meine ich. Du hast nicht den ersten Preis verdient. Der wurde schon vergeben. Spiel mit mir ein Spiel, doch spiel nicht zu offensichtlich oder zu viel! Nun lass ich alle Hoffnung fahrn.
Sie: So lass du die Hoffnung fahrn, das soll mir recht sein, denn mein Taxi fährt auch bald.
Dann war es wieder still im Raum. Die Worte hatten beide angestrengt wie (in glücklicheren Zeiten) zuvor nur legitimer Zeitvertreib. Nun herrschte Stille, herrschte das absolute Nichts, was aus ihren Herzen strömte.
Er saß einfach da und ertrug ihre Verachtung. Mit jedem tiefen Atemzug begann er, ihren Hass mehr zu fühlen und gleichzeitig zu genießen, denn er bedeutete, dass sie ihm Beachtung schenkte. Und wenn sie nur dazu fähig war, wollte er sich damit zufrieden geben. Es war besser als nichts, besser als subjektive Belanglosigkeit.
Da es nichts mehr zu sagen oder tun gab, verließ sie engelsgleich den Raum.
Er saß weiter da und genoss Stille wie Klarheit, die ihn in dieser Minute umgaben.
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