Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Perfekte Langeweile

Berliner Philharmoniker spielen Beethoven und Bruckner

Das Programm bestand aus Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur und Anton Bruckners Symphonie Nr. 2 c-Moll. Es dirigierte der 72 Jahre alte sympathische Seiji Ozawa, Pierre-Laurent Aimard saß am Klavier und war natürlich auch perfekt. Ich habe in diesem Haus mit der beeinruckenden Architektur nur perfekte Konzerte und herausragende Künstler, besonders Solisten und Dirigenten, gesehen.
Trotzdem ist ein klassisches Konzert, wie schon eine Freundin von mir meinte, immer ein bisschen langweilig. Man wird von den Philharmonikern also auf höchster künstlerischer Ebene gelangweilt. Und vom Langweilen verstehen sie was: Man guckt hierhin, man guckt dorthin… die alten Scheinwerfer stehen immer am selben Platz und wurden sicher die letzten 30.000 Jahre nicht eingesetzt. Acht Linsenscheinwerfer mit Folienscroller-Farbwechler sind immer gleich ausgerichtet. Ein Überbleibsel der Zeit, wo der Staat Kultur und Bildung finanzierte, anstatt sich von Wirtschaftslobbyisten der Müller Milch, Pharmakonzerne und Samsung ausnehmen zu lassen.
Ausnehmen ist auf den spärlich vorhandenen Toiletten der Philharmonie auch Thema: Die Unsitte, Menschen aufzustellen, mit einem Teller voller Münzen vor sich, hat auch von der Philharmonie Besitz ergriffen. Dafür sind jedoch Garderobe und Programmheft kostenlos. Ausreichend Personal öffnet und schließt sie Türen, die Arbeitsteilung an der Getränkebar bewirkt für den erfreuten Gast ungewöhnlich kurze Wartezeiten. Überall außer auf den Klos fühlt man sich also wunderbar umsorgt.
Perfekt gelangweilt verlasse ich das goldene Gebäude und besteige mein Pferd. Beethoven war ganz gut, Bruckner voller Energie und wie ein Spiegel von Zerrissenheit. Denkend an die schöne Musik reite ich ins Licht…

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