Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Allimania, ein postmodernes Hörspiel

Da heute Nacht (im Originalblog) der 17. Teil von Allimania auf www.wowszene.de veröffentlicht wird, ergreife ich die Gelegenheit, Euch über dieses außergewöhnliche Hörspiel zu informieren.
Meine These ist, dass Allimania postmodern ist. Unten werde dies genauer erläutern.

Ein Freund von mir spielt das Online-Fantasyrollenspiel “World of Warcraft”.
Zu diesem Spiel gibt es ein von Laien gemachtes Hörspiel, das auch für Leute, die das eigentliche Game nicht spielen, sehr interessant ist.
Mich persönlich nerven melodramatische, kitschige Produktionen, seien sie aus Hollywood, sei es eine Fernsehserie oder sonstwas: 98% dessen, was man vorgesetzt bekommt, ist dumme Massenware. Laaangweilig.
Genau DA setzt die Postmoderne, als Kunst- und Architekturrichtung bereits seit 50 Jahren bekannt und immernoch aktuell, an.
Statt zu versuchen, durch immer die gleichen Elemente wie eine Liebesgeschichte, ein mitleiderregendes Kind usw. zu wiederholen, bis einem die Galle hochkommt, wird in der Postmoderne (z.B. von postmodernen Autoren wie Barthelme) mit dem Kulturellen Material einer Nation oder eines Kulturkreises AN SICH gespielt. Es werden z.B. Zitate aus anderen Werken eingebaut, was ziemlich toll ist, wenn man das ANDERE Werk auch kennt. Ein Beispiel: Im Hörspiel Allimania zitiert ein “Bösewicht” immer wieder mal Mephistopheles.
Außerdem wird mit der Erwartung der Leser/ Hörer und vielen Traditionen gespielt.
Wie viele Hörspiele haben wir schon gehört, in denen erst Schwierigkeiten überwunden werden müssen, aber doch ganz klar ist, dass es ein Happy End geben wird?!
Im Allimania dagegen wird teilweise mit den “Bösewichten”/ Gegnern sogar noch ausgehandelt, in welcher Gestalt sie denn nun gleich umgebracht werden sollen.
Eine Pseudospannung wird nicht erst aufgebaut.

Allimania macht sich über sich lustig, und das auf sehr hohem Niveau.
Dumme Witze sucht man hier vergebens. Anspielungen, Ironie, Verarsche des Hörers, sogar totale Dekonstruktion aller Illusion, indem z.B. der Drehbuchautor mittem im Hörspiel auftritt und das Hörspiel nochmal umschreibt oder der an Minderwertigkeitskomplexen leidende Erzähler mit den Figuren in Dialog und schließlich aus Protest, dass er im Abspann nicht erwähnt wird, in Streik tritt, sind zu finden.
Das Genialste, was ich seit langem gehört habe!
Besondere Empfehlung: Folge 13, Folge 15 und, zum Einstieg, Folge eins.